Es gibt einen Arbeitsschritt im Affiliate-Marketing, der über das Ergebnis mehr entscheidet als Hooks, Schnitt und Veröffentlichungszeit zusammen. Und es ist genau der Schritt, der meistens in fünf Minuten erledigt wird: die Produktauswahl.
Zwei Menschen können dieselbe Nische bedienen, gleich gute Videos machen und gleich oft veröffentlichen – und am Monatsende trennen sie 500 Euro, weil einer ein Produkt bewirbt, das hält, was es verspricht, und der andere eines, das zu einem Drittel zurückgegeben wird.
Diese neun Kriterien machen aus einem Bauchgefühl eine überprüfbare Entscheidung.
1. Verdienst pro Verkauf statt Provisionssatz
Der Prozentsatz ist die Zahl, die beworben wird. Die Zahl, die zählt, sind Euro.
| Produkt | Preis | Provision | Verdienst pro Verkauf |
|---|---|---|---|
| E-Book | 30 € | 70 % | 21 € |
| Onlinekurs | 300 € | 40 % | 120 € |
| Kurs mit Upsell | 300 € + 100 € | 40 % | bis 160 € |
Teurere Produkte verkaufen sich seltener – aber selten so viel seltener, dass es den Unterschied ausgleicht. Wer sich am Prozentsatz orientiert, landet systematisch bei den günstigen Produkten und braucht die fünffache Menge an Verkäufen für dasselbe Ergebnis.
2. Stornoquote
Das wichtigste einzelne Warnsignal. Sie zeigt, welcher Anteil der Käufe rückabgewickelt wird – und damit indirekt, ob die Verkaufsseite die Realität beschreibt.
Eine hohe Stornoquote kostet dich zweimal: einmal die Provision und einmal das Vertrauen der Menschen, die auf deine Empfehlung hin gekauft haben. Das zweite ist teurer.
Vergleiche immer innerhalb derselben Kategorie und desselben Preisbereichs. Hochpreisige Produkte mit langer Garantie liegen naturgemäß höher als ein 19-Euro-E-Book.
3. Die Verkaufsseite – selbst geprüft, auf dem Handy
Öffne die Seite so, wie dein Publikum sie sehen wird: auf dem Smartphone, ohne Vorwissen, mit wenig Geduld.
Warnsignale:
- konkrete Verdienstversprechen („5.000 € im ersten Monat"),
- Countdown-Zähler, die beim Neuladen zurückspringen,
- Testimonials ohne Nachnamen, ohne Kontext, mit Stockfotos,
- fehlendes oder unvollständiges Impressum,
- ein Preis, den man erst nach drei Klicks sieht.
Die Faustregel: Wenn du auf dieser Seite nicht kaufen würdest, wird es deine Zielgruppe auch nicht tun – und wenn doch, willst du für diesen Kauf vielleicht nicht verantwortlich sein.
4. Abrechnungsart
Einmalzahlung, Ratenzahlung oder wiederkehrende Vergütung – der Unterschied ist gewaltig, wenn man ihn über zwölf Monate rechnet.
| Modell | Monat 1 | Monat 12 | Charakter |
|---|---|---|---|
| Einmalzahlung | volle Provision | beginnt bei null | planbar, aber ohne Basis |
| Ratenzahlung | Teilbetrag | Nachläufer aus früheren Verkäufen | glättet Schwankungen |
| Abo / Rebill | kleiner Betrag | Summe aller aktiven Kunden | baut eine Basis auf |
Wer früh mindestens ein Produkt mit wiederkehrender Vergütung im Sortiment hat, hat nach einem Jahr etwas, das auch in einem schwachen Monat trägt.
5. Upsells im Verkaufsprozess
Viele Produkte bieten nach dem Hauptkauf Ergänzungen an. Für dich ist das relevant, weil du an diesen Zusatzverkäufen in der Regel mitverdienst – ohne zusätzlichen Aufwand.
Zwei Produkte mit identischer Provision können sich im Verdienst pro Besucher deutlich unterscheiden, wenn eines einen durchdachten Verkaufsprozess hat und das andere nicht.
6. Passung zur Zielgruppe
Das am häufigsten übersprungene Kriterium. Ein hervorragendes Produkt für die falsche Zielgruppe ist eine schlechte Empfehlung.
Frag konkret: Löst dieses Produkt genau das Problem, über das ich in meinen Beiträgen spreche? Kann sich meine Zielgruppe den Preis leisten? Passt das Niveau – Anfänger oder Fortgeschrittene?
7. Sprache und Markt
Klingt trivial, wird aber regelmäßig übersehen: Ein englischsprachiges Produkt für ein deutschsprachiges Publikum erzeugt Klicks und keine Käufe. Filtere von Anfang an nach Sprache – im Produktkatalog geht das zusammen mit Kategorie, Währung und Provision in einem Schritt.
8. Anbieter und Historie
Gibt es den Anbieter länger als ein paar Monate? Existiert ein vollständiges Impressum? Findest du unabhängige Erfahrungsberichte, die nicht selbst Provisionslinks enthalten?
Ein etablierter Anbieter ist kein Garant für ein gutes Produkt – aber ein anonymer Anbieter mit einer einzigen Verkaufsseite ist ein erhebliches Risiko für deine Glaubwürdigkeit.
9. Würdest du es selbst kaufen?
Am Ende die einfachste und härteste Frage. Wenn die Antwort Nein lautet, ist alles andere gleichgültig.
Wenn ein eigener Kauf nicht in Frage kommt, hol dir Ersatz-Belege: Bewertungen echter Käufer, einen Testzugang, die Inhaltsübersicht. Was du nie tun solltest, ist eine persönliche Erfahrung zu erfinden. Das ist irreführende Werbung – und es fliegt zuverlässig auf.
Die Kurzprüfung in fünf Minuten
- 1Verdienst pro Verkauf in Euro ausrechnen – nicht den Prozentsatz notieren.
- 2Stornoquote im Vergleich zur Kategorie prüfen.
- 3Verkaufsseite auf dem Handy öffnen und die fünf Warnsignale abhaken.
- 4Abrechnungsart und Upsells notieren.
- 5Ehrlich beantworten: Würde ich das kaufen?
Drei Produkte, die diese Prüfung bestehen, sind mehr wert als dreißig aus einer Bestenliste.
Danach: messen
Auch die beste Auswahl bleibt eine Hypothese, bis Zahlen vorliegen. Leg für jedes Produkt einen eigenen getrackten Link an, damit du nach vier Wochen beantworten kannst, welches Produkt tatsächlich Klicks in Verkäufe verwandelt – und welches nur gut aussah.
Wenn deine Zielgruppe unterschiedliche Ausgangslagen hat, lohnt sich statt einer Linkliste ein Quiz-Funnel, der pro Antwort ein anderes Produkt vorschlägt.
Fazit
Produktauswahl ist kein Nebenschauplatz, sondern der Hebel mit der größten Wirkung – und der einzige, der dich nichts kostet außer zwanzig Minuten Aufmerksamkeit.
Prüfe drei Produkte gründlich statt dreißig oberflächlich, bewirb nur, was du selbst kaufen würdest, und miss das Ergebnis. Das ist der ganze Trick.
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